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06 Juni 2013

In Augenschein – Gespräche über anonymisierte Texte (# 006)

Silke Peters im Gespräch mit fixpoetry (Auszug)

In Augenschein – Gespräche über anonymisierte Texte (# 006)

fixpoetry: Wie kann man sich diese Arbeit an Strukturen vorstellen?

Silke Peters: Es geht schon ersteinmal um die grammatikalische Struktur. Da tritt nach den ersten Ansätzen immer ein Moment der Selbstanalyse hinzu, damit ich überhaupt sehen kann, was ich bisher gemacht habe und wie ich jeden Text für sich sauber abgrenzen kann. Ich arbeite im Augenblick eher im Bereich des Prosagedichtes, experimentiere an langen Gedichten, die sich in Ton und Machweise natürlich durchhalten müssen. Diese großen Strukturen sind große Unterfangen, die über ein Jahr für sich in Anspruch nehmen. Es braucht viele Experimente, bis man einen massiven Text erreichen kann, wie ich es momentan versuche.

fixpoetry: Massiv wie ein Flöz oder massiv wie ein Projektil?

Silke Peters: Wie ein Flöz. (lacht) Es fließt viel Material ein, viel Recherchearbeit. Insofern ist es im Tun tatsächlich eine Arbeit im Schacht, im Bergwerk. (lacht) Das ist sehr romantisch.

fixpoetry: Wie kann man eigentlich den Begriff Prosagedicht fassen, wenn (streng) rhythmisierte Verse gar nicht mehr auf der poetologischen Tagesordnung stehen?

Silke Peters: Ich kann das jetzt nicht literaturwissenschaftlich ausführen, aber man könnte sagen: In erster Linie hat das Prosagedicht kein Versmaß, auch kein freies, versucht aber trotzdem inhaltlichen Führungen eine Struktur zu geben. Es erzählt, aber erzählt keine Geschichte. In diesem Erzählen gibt es eine Irrationalität, die ihre Spannung halten muss, damit der Leser oder der Zuhörer nicht abbricht. Es ist sozusagen ein Erzählen, ohne wirklich erzählen zu wollen. In meinen Texten setzt es in jedem Punkt neu an, sodass auch die Lektüre an jedem Punkt neu ansetzen kann. Dabei bauen sich zudem vertikale Strukturen auf, nicht nur horizontale, sukzessive, bis ins Kleinste hinein; das ist vielleicht der Hauptunterschied zwischen dem, was man „lyrische Prosa“, und dem, was man „Prosagedicht“ nennt. Es muss streng gebaut sein, sonst fällt es auseinander. Bei aller Strenge der Struktur aber habe ich schon vor langer Zeit den Vers verlassen und arbeite mit willkürlichen Zeilenbrüchen.

fixpoetry: Der Umgang mit dem Weißen auf der Seite kann ja für die Wiedererkennbarkeit eines Personalstils genauso einschlägig sein wie der Umgang mit dem Schwarzen.

Silke Peters: Ich formatiere Texte oft um, um einen Eindruck zu bekommen, wie der Text als Körper auf der Seite wirkt, und um zu sehen, wie er das optimal kann. Grundsätzlich aber meide ich das weiße Papier und die großen Lücken auf den Seiten. Momentan fließt es – denn das Weiße übt immer auch Druck auf das Schwarze aus. Die Stärke dieses Drucks möchte ich lieber dem Leser überlassen, der seine eigene emotionale Ladung in jeden Text mitbringt.

 

Das vollständige Gespräch kann hier nachgelesen werden: 

http://www.fixpoetry.com/feuilleton/interviews_essays/2144.html

Über den Autor

15 Juni 2012

Silke Peters

Silke Peters
Silke Peters wurde 1967 in Rostock geboren. Sie ist Lehrerin und arbeitete in zahlreichen Schulen und Naturschutzprojekten. Seit 2000 wurden von ihr zahlreiche literarische Arbeiten veröffentlicht. Außerdem war sie vier Jahre Redaktionsmitglied...

Im freiraum-verlag erschienen

01 August 2012

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Morgens beim Aufwachen gegen die Schatten. Kälte und Glück. Das gezogene Los. Eines muss es ja besiegeln. Die Komposition dauert an. Im Gebirge ginge ich verloren. Ein Ich, das jeder sein könnte, ist Protagonist dieser poetischen Fiktion. Es...