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19 Juni 2015

Neue Polnische Literatur

Ta informacja po polsku,

Herausgegeben von Paulina Schulz

Neue Polnische Literatur

 „Es ist schade, dass so wenig Ausländer der polnischen Sprache mächtig sind und sich keinen Begriff von den polnischen Musen machen können“, bedauerte der deutsche Gelehrte, Musikwissenschaftler und Mediziner Lorenz Mitzler von Koloff im Jahre 1755 – und verlegte in seiner eigenen Druckerei polnische Autoren. Die Verbreitung und Rezeption polnischer Literatur hat in Deutschland eine lange Tradition. Heute ist sie aktueller denn je.

Nun möchte der Greifswalder freiraum-verlag dem interessierten Publikum die aktuellen Positionen der polnischen Gegenwartsliteratur in all ihrer Vielschichtigkeit vorstellen. Dabei sollen verschiedene Genres präsentiert werden, um die unterschiedlichen Strömungen der zeitgenössischen Literatur des Nachbarlandes aufzuzeigen: vom anspruchsvollen Gegenwartsroman, über Essaybände, Kriminalromane, Sachbücher, Reisereportagen, historische Romane bis hin zu Kinderliteratur.

Für dieses Projekt konnte die bekannte Literaturübersetzerin und Autorin Paulina Schulz gewonnen werden. Sie wird als Herausgeberin, Übersetzerin und Lektorin die Reihe verantworten.

Das Projekt erfährt schon jetzt große Beachtung. So wird z. B. auf Basis der Reihe ab 2016 in Stralsund und Szczecin ein deutsch-polnisches Literaturfestival vorbereitet, das entlang der Oder u. a. die Texte der Reihe präsentieren soll; weitere Leseorte sind angefragt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Veröffentlichungen 2015/2016:

Błażej Dzikowski „Brokat w oku“ (dt. „Der Weg des Saturn“)
Przedsiębiorstwo Wydawnicze Rzeczpospolita, Warschau 2007

Das junge Multitalent Dzikowski liefert hier eine scharfe Satire auf das Aufkommen faschistoiden Gedankenguts unter jungen Menschen – bissig, originell, hochaktuell; geschrieben in einer klaren, überzeugenden Sprache.

Brygida Helbig „Enerdowce i inne ludzie“ (dt. „Ossis und andere Leute“)
Forma, Stettin 2011

Ein Kurzprosa-Band über das Leben an der Grenze, beginnend in der ausgehenden DDR. Die Autorin thematisiert sowohl die Spannungen zwischen Polen und Deutschen, als auch die zwischen den sogenannten „Ossis“ und „Wessis“, entlarvt falsche Hoffnungen und ostalgische Träume.

Nadia Szagdaj: „Chroniken der Klara Schulz, Teil 1“
„Sprawa pechowca“ (dt. „Der Fall des Pechvogels“)
Wydawnictwo Bukowy Las, Wrocław 2014

Die junge Autorin Opernsängerin Nadia Szagdaj eröffnet mit diesem Roman eine neue Reihe um eine faszinierende Ermittler-Figur im alten Breslau: Klara Schulz, eine der ersten modernen Frauen, übernimmt 1910 als Privatdetektivin den Fall eines ermordeten Opernsängers und kommt einem psychopathischen Mörder auf die Spur, dessen Einfluss bis nach Berlin und Lyon reicht.

Nadia Szagdaj: „Chroniken der Klara Schulz, Teil 2“
„Zniknięcie Sary“ (dt. „Saras Verschwinden“)
Wydawnictwo Bukowy Las, Wrocław 2014 

Sommer 1911. Nach Danzig gelockt, gerät Klara Schulz in eine Falle und wird daraufhin schwer krank. Derweil verschwindet in Breslau Sara, die Tochter eines angesehen Arztes. Klara und ihre Mitarbeiter stellen fest, dass es Verbindungen zu älteren Vermisstenfällen gibt. Eine Rolle scheint darin der geheimnisvolle Fotograf Ian Seth Oldbase zu spielen …

Nadia Szagdaj: „Chroniken der Klara Schulz, Teil 3“
„Grande finale“
Wydawnictwo Bukowy Las, Wrocław 2015

Im Dezember 1911 erhält Klara Informationen, die sie zu dem Mörder ihrer Mutter Maria führen. Der brutale Tod ihrer Mutter, dessen Zeugin sie war, belastet Klara seit ihrer Kindheit schwer. Die Lösung des Falles ist so gefährlich wie schockierend, denn der Mörder ist jemand aus Klaras nächster Umgebung.

Katarzyna Tubylewicz "Rówieśniczki“ (dt. „Die Freundinnen“)
W.A.B, Warschau 2014

Die in Schweden lebende polnische Publizistin Tubylewicz erzählt in diesem Gesellschaftsroman von drei Schulfreundinnen, die sich nach Jahren zufällig in Stockholm treffen. Die Autorin entblößt hier Egoismus, Verlogenheit, Opportunismus, religiösen und nationalen Fanatismus.

Weitere Veröffentlichungen in Planung (2017–2020)

Małgorzata Warda „Nikt nie widział, nikt nie słyszał“
(dt. „Niemand hat es gesehen, niemand hat es gehört“)
Świat Książki, Warschau 2010

Ein erschütternder Psycho-Thriller um Kindesentführungen, der zwischen Warschau, Danzig und Paris spielt und unter anderem das „Wiener Syndrom“ thematisiert. Psychologisch großartig geführte Figuren, ein feiner Stil und eine unglaubliche Spannung charakterisieren den Roman der jungen Autorin und Malerin.

Barbara Gawryluk "Baltic“
Wydawnictwo Literatura, Łódź 2012

Nach einer wahren Geschichte! Ein ergreifendes, spannendes Kinderbuch über die Abenteuer des Hundes Baltic, der sich auf eine lebensgefährliche Reise auf einer Eisscholle begibt. Der Hund wird von dem Seemann Adam Buczyński gerettet und lebt seitdem als vollwertiges Crew-Mitglied auf einem Frachter. Eine wunderschöne Geschichte über die Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Antoni Libera „Godot i jego cień“ (dt. „Godot und sein Schatten“)
Znak, Krakau 2013

Der bekannte Autor des Kultromans Madame erzählt von seiner jahrelangen Bekanntschaft mit Samuel Beckett und seiner Arbeit an den polnischen Übersetzungen des Nobelpreisträgers. Ein spannendes Dokument der Zeit und eine faszinierende Annäherung an den geheimnisumwobenen irischen Autor.

Zygmunt Miłoszewski „Góry Żmijowe“ (dt. „Die Schlangenberge“)
W.A.B, Warschau 2006

Der bekannte Krimiautor Miłoszewski zeigt sich diesmal von einer vollkommen anderen Seite: mit einem zauberhaften Kinderbuch um den Kampf gegen Gut und Böse. Die Schlangenberge bestechen mit einer originellen Idee und feinen Bleistift-Zeichnungen, die ein wenig an Ernest Shepard erinnern.

Jacek Hugo-Bader „Długi film o miłości. Powrót na Broad Peak“
(dt. „Ein langer Film über die Liebe. Die Rückkehr auf den Broad Peak“)
Znak, Krakau 2014

Hugo-Bader, einer der bekanntesten polnischen Reporter, erzählt in diesem erschütternden Band von dem tragischen Ausgang einer der polnischen Himalaya-Expeditionen. Im März 2013 starben auf dem Broad Peak (8051 m) drei Weltklasse-Bergsteiger; das Buch liefert den Versuch einer Erklärung für die Tragödie.

Monika Piątkowska „Nikczemne historie“ (dt. „Infame Geschichten“)
W.A.B, Warschau 2009

Die bekannte Autorin und Journalistin legt einen ungewöhnlichen Erzählband vor – in Anlehnung an Jorge Luis Borges und seine "Universalgeschichte der Niedertracht", die die Geburtsstunde des magischen Realismus in der Literatur markiert. Jede Geschichte zieht eine weitere nach sich, die Motive sind eng miteinander verflochten. Und jede Erzählung thematisiert die Niedertracht, die Macht des Bösen, die sich durch alle Zeiten hindurch zieht. Die Texte spielen u. a. in Warschau, Paris, Wien, London, Berlin, von 1880 bis in die Gegenwart und beweisen, wie universell Piątkowskas Stoff ist.

Agata Górnicka-Boratyńska „Zielone pomarańcze, czyli PRL dla dzieci“
(dt. „Grüne Orangen. Eine Kindheit im Sozialismus“)
Agencja edytorska Ezop, Warschau 2011

Ein amüsant-nostalgischer Bildband, der mit seinen Beschreibungen einer Kindheit in der sozialistischen Volksrepublik Polen gleichzeitig unterhält und bildet. Gedacht für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren, ist er ebenfalls eine schöne Erinnerungslektüre für Erwachsene.